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Samsung Galaxy Tab als eBook-Reader mit Calibre


Eine der interessantesten Anwendungen des Samsung Galaxy Tab ist es, ihn als eBook-Reader zu verwenden. Zugegeben, angesichts ‚läppischer‘ 139,- Euro für den Thalia Oyo, ist es möglicherweise ein bisschen Overkill. Aber er kann ja mehr: Mal schnell ein Fremdwort im Internet recherchieren? Die Wikipedia aufrufen? Auf eMails reagieren? Ein Youtube-Video zu einem bestimmten Sachverhalt sehen? Das macht den Tab zu einem weit überlegenen Gerät, welches für manchen den Mehrbetrag wert ist, was es kostet.

Eine geeignete Hardware ist aber längst nicht alles, was man zum komfortablen Lesen benötigt. Es ist immer auch eine Reader-Software nötig, die es erlaubt, die Bücher, die in einem bestimmten Format geliefert werden, in einer angenehm zu lesenden Form auf den Bildschirm zu bringen. Beim Oyo oder dem Amazon Kindle ist die Software fester Bestandteil des Geräts, als Anwender bleibt einem hier die Auswahl einer geeigneten App erspart. Aber auch beim Samsung Galaxy Tab ist standardmäßig ein eBook-Reader dabei. Im Android Market gibt es noch Aldiko, der mir ebenfalls sehr gut gefällt. Von Amazon gibt es Kindle auch als Android-Version!

Leseprogramme

Beide eBook-Reader erfüllen wesentliche Grundforderungen, die man an einen eBook-Reader stellen kann. So verwalten sie Lesezeichen, können den Text mit verschiedenen Schriften in verschiedenen Größen darstellen, gestatten das Blättern durch einfache Wisch-Gesten auf dem Touchscreen, erlauben das Dimmen der Hintergrundbeleuchtung, so dass ein eventuell im gleichen Schlafzimmer schlafender Partner nicht gestört wird und können das gebräuchliche ePub-Format importieren. Außerdem sind sie nett anzusehen und besitzen beide eine Art optisches Bücherregal, in dem die Buchcover hübsch dargestellt werden.

Das Problem mit dem PDF-Format

Lange Zeit war auf Computern das PDF-Format dass Maß der Dinge. Jegliche elektronische Publikation wurde in dieses Format gepackt, um es eventuellen Lesern zur Verfügung zu stellen. Viele Anwender haben darum im Lauf der Jahre eine beträchtliche Sammlung an PDF-Dokumenten gesammelt und würden diese jetzt gerne auf einem modernen eBook-Reader lesen. Glücklicherweise verstehen viele Reader das PDF-Format und auch der Samsung Galaxy Tab hat eine PDF-Reader App dabei.

Wo ist also das Problem? Viele PDF-Reader zeigen ein PDF-Dokument relativ starr an, eben so, wie es auch gedruckt aussehen würde. Dies ist allerdings auf den relativ kleinen Displays der Smartphones oder auch dem Tab ein Nachteil, denn entweder ist dann trotz der hohen Display-Auflösung der Text nur schwer zu lesen, da die Buchstaben extrem klein sind, oder aber man muss ständig seitlich hin und her scrollen, um eine Zeile von links nach rechts zu lesen. Ein Unding, und nur geeignet, einen eventuellen eBook Leser schnell wieder von dieser Idee abzubringen. Manche PDF-Reader besitzen auch keine Lesezeichen Funktion. Auch dies ein Ding der Unmöglichkeit, denn wer will schon erst mühsam die Stelle suchen, an der er das letzte Mal zu Lesen aufgehört hat?

Die eBook-Reader dagegen arbeiten völlig unterschiedlich, sie bevorzugen Fließtext, der – sozusagen – in das Display gegossen wird. Und das mit der Schrift und der Schriftgröße, die dem Leser am besten gefällt.

Leider verstehen die meistens kein PDF-Format!

Damit haben die Besitzer von großen PDF-Sammlungen ein ebenso großes Problem: Wie die vielen gesammelten PDF Texte mit den smarten eBook-Readern lesen?

Calibre

Und genau an dieser Stelle kommt Calibre ins Spiel.

Calibre ist allerdings erheblich mehr, als nur ein Programm um PDF nach ePub zu konvertieren. Es erlaubt bzw. bietet folgende Funktionen:

  • Bibliothek
  • eBook Konvertierung
  • Synchronisation mit eBook-Readern
  • Automatischer Download von Nachrichten und Konvertierung
  • eBook Reader
  • Online-Zugriff auf die eigene Bibliothek

Konvertierung von PDF nach ePub

In diesem Text geht es aber im wesentlichen um die PDF-Konvertierung. Ich habe lange recherchiert und sogar selbst programmiert, aber ich denke Calibre ist zur Zeit die beste Möglichkeit PDF-Dokumente in das ePub-Format zu überführen. Calibre ist dabei weniger ein Konvertierprogramm, als vielmehr eine Art Oberfläche zur Verwaltung all dieser Aufgaben. Es ruft nacheinander viele kleine Programme auf und versorgt sie mit den richtigen Parametern, damit sie die ihnen zugedachten Aufgaben ausführen können.

Um nun eine PDF-Datei zu konvertieren, downloadet und installiert man sich als erstes Calibre und ruft es anschließend auf. Nun kann man mit Hilfe eines Dateimanagers wie dem Windows-Explorer per ‚Drag and Drop‘ eine oder auch mehrere PDF-Dateien in den mittleren Bereich von Calibre ziehen. Damit sind diese mit Calibre erfasst. Sie werden übrigens tatsächlich kopiert und befinden sich anschließend unter ‚C:\Dokumente und Einstellungen\[Eigener Name]\Calibre Bibliothek‘ nach Autoren sortiert.

Nun wählt man eine oder mehrere Dateien aus der Liste aus und markiert sie. Am Anfang am besten nur eine. Mit einem Klick auf das dritte Calibre-Icon ‚Konvertiere Bücher‘ von links aus der Icon-Leiste von Calibre, ruft man den Konvertier-Dialog aus. Dort kann man sehr viele Einstellungen vornehmen. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Oben links wählt man das Eingangsformat, also PDF aus. Achtung: Wenn man später noch einmal eine Konvertierung mit veränderten Einstellungen vornehmen will, so sollte man darauf achten, dass dort immer noch ‚PDF‘ eingetragen ist, da Calibre ab der zweiten Konvertierung erkennt, dass schon eine Datei im ePub-Format existiert und dann dort dieses Format einträgt!

Rechts wählt man natürlich EPUB aus. Und schon kann mit einem Klick auf ‚Ok‘ die Konvertierung gestartet werden. Eine Konvertierung kann je nach der Größe des Buchs oder der Geschwindigkeit des Computers einen Moment dauern.

Es empfiehlt sich aber, vor einer Konvertierung wenigstens die Metadaten zu kontrollieren und bei Bedarf zu korrigieren, da von diesen Buchtitel und Autor für die ePub-Datei abgeleitet wird und damit auch eine ordentliche Organisation der Bücher in der Bibliothek möglich wird.

Feintuning

Mir hat die Konvertierung mit den Standardeinstellungen schon ganz gut gefallen. Allerdings hatte ich danach auch ePub-Dokumente, die für jede PDF-Seite einen lästigen Absatz und eine Seitennummer mitten im Fließtext aufwiesen. Dies hat mein Gefühl für Ästhetik beim Lesen doch sehr gestört und ich sann nach Abhilfe. Einige Stunden Recherche und des Ausprobierens später, habe ich dafür eine Lösung gefunden: Im Konvertier-Dialog gibt es an der linken Seite ebenfalls eine Icon-Leiste, deren drittes Icon von oben ‚Struktur Erkennung‘ heißt. Diese Funktion erlaubt es, in einem Zwischenschritt der Konvertierung nach bestimmten Zeichenketten zu suchen und diese zu entfernen. Allerdings muss die zu suchende Zeichenkette als regulärer Ausdruck angegeben werden. Die Definition eines regulären Ausdrucks ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Man kann sich helfen, indem man beim Ausprobieren des Ausdrucks eine Hilfe wie die Seite Regex Tester verwendet. Dort kann man sowohl den regulären Ausdruck als auch ein Stück des zu durchsuchenden Textes eingeben. Der Regex Tester zeigt dann sofort alle Fundstellen in gelber Farbe an.

Wenn man den richtigen Ausdruck gefunden hat, gibt man ihn im Eingabefeld ‚Regulärer Ausdruck Fußzeile:‘ ein und markiert zusätzlich ‚Fußzeile entfernen‘. Bei mir sah der Ausdruck so aus:

[0-9]{1,}<br>
<hr>
<A name=[0-9]{1,}></a>

Wenn man jetzt wieder auf ‚Ok‘ klickt, wird die ePub-Datei ohne störende Seitenumbrüche generiert. Natürlich muss dieser Ausdruck individuell angepasst werden. Wenn man ihn aber einmal für eine bestimmte Art der Formatierung angepasst hat, kann man ihn für diese Formatierung immer wieder verwenden.

Ein gutes Verfahren, um einen passenden regulären Ausdruck für derartige Probleme zu finden, ist es, die zu ersetzende Stelle komplett in das Feld ‚Enter regex here.‘ zu kopieren und anschließend die höchstwahrscheinlich dynamischen Anteile (Sprich: Die Seitennummer) durch so etwas zu ersetzen: [0-9]{1,}

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Nachtrag

Manche PDF Reader haben einen speziellen ‚Reflow‘-Mode, der die starre Formatierung aufbricht und den Text passend für die Breite des Displays umformatiert. So zum Beispiel der PDF Reader im HTC HD2, der dies aber erst kann, wenn man folgenden Registry Key auf 1 setzt und anschließend einen Softreset ausführt:

HKEY_CURRENT_USER\Software\Adobe\AdobeReaderLE.25\EnableReflow

Leider besitzt der PDF Reader im HD2 keine Lesezeichen Funktion. Aber alles kein Problem – denn die konvertierten ePub-Dateien könne auch prima mit dem HTC HD2 verwendet werden. Einfach Freda installieren!😉

Zum Ersetzen von Seitennummern gibt es jetzt noch einen weiteren Artikel mit einer genaueren Beschreibung der Vorgehensweise.

Lesefutter

Weitere Quellen für Bücher:

Besonders Thalia hat mittlerweile ein recht umfangreiches deutschsprachiges Angebot. Bei ‚beam ebooks‘ gibt es auch viel Kostenloses zum downloaden. Auch das Projekt Gutenberg hat eine kleine Auswahl kostenloser, deutschsprachiger Bücher im Angebot.

  1. M.
    November 24, 2010 um 11:43 pm

    Vielen Dank für diese doch umfangreiche Erklärung!

    Leider habe ich es trotzdem nicht geschafft … Die Seitenumbrüche sind mitten im Fließtext … sieht fürchterlich aus.

    lg,
    M.

  2. November 26, 2010 um 10:59 pm
  3. johann flittner
    April 17, 2012 um 9:09 am

    hallo tinkerpete,

    danke für die gute erläuterung.

    kennst du eine möglichkeit‘ den auf samsung galaxy tab 10.n vorinstallierten ebook reader auf das lifetab von aldi zu installieren. mir gefällt dabei die vorlesefunktion sehr gut.
    vielleicht hast du eine lösung dazu

    danke imvoraus

    johann

  4. April 17, 2012 um 9:41 am

    Hallo johann!

    Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Zum Vorlesen verwende ich den Moon Reader: https://tinkerpete.wordpress.com/2011/03/02/moon-reader/

    Geht allerdings nur in der Bezahl-Version.

    Tinkerpete

  1. November 26, 2010 um 10:44 pm
  2. Januar 5, 2011 um 8:30 am

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