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Steve Jobs


Als Apple den Apple II verkauft hat, war dies eines der Geräte, welches ich sehr gerne besessen hätte, aber mir damals bei weitem zu teuer war. Darum habe ich leider nie einen besessen und bin in Sachen Computer in eine andere Richtung gegangen. Schon damals habe ich mich aber für die Menschen hinter dem Gerät interessiert und – nachdem ich mich ein wenig informiert habe – Steve Wozniak bewundert! Ich verstehe ein wenig von Elektronik und weiß auch wie Computer grundsätzlich aufgebaut sind. Darum weiß ich, welche Leistung es ist, einen ganzen Computer selbst zu bauen!

Darum war es für mich anfangs unverständlich, wenn in den Berichten zu Apple oft Steve Jobs im Vordergrund zu sehen war. Ich fand damals, dass sich Steve Jobs zu Unrecht so in den Vordergrund drängt. Als ich davon las, wie viel Geld die Beiden damit verdienten, empfand ich es als ungerecht, dass Steve Jobs genauso viel davon bekam wie Steve Wozniak – schließlich hatte er doch das Gerät entwickelt. Er hätte einen viel größeren Anteil bekommen müssen!

Aber ich war naiv. Ich verstand nichts von Marketing, Management oder Design, ich verstand nur etwas von Elektronik und Programmierung.

Eine Zeit lang hatte ich mich nicht mehr besonders für Apple interessiert. Mein nächster Kontakt mit Apple war vermutlich auf der CeBIT 1983 in Hannover. Als Lehrling der Firma Teletron waren wir mit einer kleinen Gruppe vom Dorf ins große Hannover auf die CeBIT gefahren. Ich war damals der Einzige, der etwas von Programmierung verstand und interessierte mich sehr für programmierbare Taschenrechner. Mit einem Messekatalog hatte ich mich gründlich vorbereitet und genau ermittelt, wo meine Lieblingsfirmen Texas Instruments und Hewlett-Packard ihren Stand hatten.

Irgendwann an diesem Tag bin ich dann an einem Stand vorbei gekommen, an dem etwas äußerst Merkwürdiges zu sehen war: Ein Computer mit Bildschirm und Tastatur und – das war das Besondere – einem kleinen Kästchen mit einem Kabel dran, dass man auf einem Tisch verschieben konnte! Flugs setzte ich mich davor (Ja, unglaublich, niemand anders traute sich dass scheinbar) und fing an das Kästchen zu bewegen. Schnell begriff ich, dass damit ein kleiner Pfeil (ich kann mich an das Symbol nicht mehr wirklich erinnern) auf dem Bildschirm bewegt werden konnte. Allein das faszinierte mich schon, denn so etwas konnte zu diesem Zeitpunkt kein einziger mir bekannter Computer. Es dauert nur wenige Minuten, bis ich die ersten Menüs angeklickt hatte, ein Bild gemalt und ein paar Funktionen ausprobiert hatte. Als ich aufhörte und mich umdrehte, standen hinter mir zahllose Leute in Anzügen und schauten mir interessiert zu.

Was ich in diesem kurzen Moment erlebt hatte, war vermutlich vergleichbar mit dem, was Steve Jobs bei Xerox erlebte, als er das erste Mal einen Computer mit Maussteuerung gesehen hatte. Im Gegensatz zu mir hatte Steve Jobs allerdings die Mittel und die Vision, daraus etwas Weltbewegendes zu machen. Das Gefühl, auf diese Weise einen Computer zu gebrauchen (niemals bedienen, oder wollen wir die Bediener unserer Computer sein?), war unglaublich faszinierend für alle, die bisher einen Computer über mehr oder weniger kryptische Befehlsfolgen steuerten. Die Erfahrung, wie viel einfacher ein Computer auf diese Weise zu gebrauchen ist, hat Steve Jobs vermutlich für sein Leben geprägt. Vermutlich traf ihn diese Erkenntnis wie ein Blitz und hinterließ in seinem Verstand auch Folgen, wie ein Blitz sie anrichten kann, nur halt in positivem Sinn.

Und wer genau hin sieht, der kann erkennen, dass möglicherweise Steve Jobs Erfolg bis zuletzt von dieser Erkenntnis profitiert hat! Denn ist es nicht der einfache Gebrauch von iPod, iPhone und iTab, welches den fast unglaublichen Erfolg dieser Geräte ermöglicht hat?

Der Computer auf der CeBIT war Apples Lisa gewesen, der erst in der Reinkarnation als Macintosh zu dem Ruhm kam, der ihm eigentlich gebührte.

Es bleibt aber festzuhalten, dass die Grundidee nicht von Steve Jobs kam, sondern er diese Möglichkeit am Palo Alto Research Center von Xerox gezeigt bekam. Allerdings traf diese Demonstration bei ihm auf ein perfekt vorbereitetes Beet, indem innerhalb kürzester Zeit die wunderschöne Blume Lisa zu voller Blüte wuchs. Leider war sie etwas zu teuer.

Wieder verging eine Zeit, in der ich mich nicht weiter mit Apple beschäftigte. Ich bekam am Rande mit wie Steve  Jobs bei Apple hinaus geworfen wurde, wie er NeXT gründete (wie sollte das funktionieren – ohne Wozniak?) und einige Zeit später, wie er wieder eingestellt wurde. Auch das interessierte mich anfangs nicht sonderlich. Längst war ich in Computerdingen einen anderen Weg gegangen und außerdem definierte ich mich nicht über eine Marke, sondern über das, was ich mit dem Computer als Werkzeug erschuf. Allenfalls hatten es mir die kleinen Palmtop Computer 95LX und 200LX von Hewlett-Packard angetan.

Mit dem iMac war Apple wieder in die Gewinnzone zurück gekehrt. Nicht schlecht Herr Jobs! Als Apple dann aber iPod und iTunes ins Leben rief, dachte ich, dass Steve Jobs nun in eine andere Welt abgedriftet sei. Wenig später nahm ich aber mit Erstaunen zur Kenntnis, dass diese Dinge extrem erfolgreich wurden. Dies war vermutlich der Anfang meines wieder erstarkenden Interesses an seiner Person. Als Apple mit dem iPhone den von Nokia dominierenden Markt der Handys und gleichzeitig den von Microsoft beherrschten Markt der Smartphones angriff, haben wahrscheinlich viele gedacht: Jetzt übernimmt sich Apple aber! Aber man war auch durch den Erfolg von iPod und iTunes vorsichtig geworden und wusste, dass man Apple nicht unterschätzen darf.

Was soll man dazu noch schreiben? Wir alle wissen jetzt, dass Apple mit dem iPhone einen Nerv getroffen haben muss, denn wer redet heute noch von Nokia? Was war eigentlich Microsoft Windows Mobile? Apple hat den Handy- und Smartphone Markt im Sturm erobert und seine Gegner das Fürchten gelernt. Gut, mittlerweile gibt es mit Android einen neuen Gegner, aber auch der musste sich, was seine Usability betrifft, völlig am iPhone orientieren. Ein Smartphone, welches heute auf dem Markt bestehen will, muss, gesteuert durch ein paar Streicheleinheiten, blitzschnell den Wunsch seines Besitzers erfüllen, sonst hat es nicht die geringste Chance geliebt zu werden.

Man kann in seinem Leben alles richtig machen und sogar den richtigen Zeitpunkt erwischen, aber wenn man nicht auch ein Quentchen Glück hat, wird man es trotzdem nie schaffen. Was muss dass dann für ein Mann sein, der es in seinem Leben mindestens 4 Mal geschafft hat: Apple II, Pixar, iPod/iTunes und iPhone, Steve Jobs hat es immer wieder richtig gemacht! Und warum hat er immer Glück gehabt? Oder geht es doch ohne?

Diese Fähigkeit, einen so unglaublichen Erfolg wie den Apple II mehrmals zu wiederholen, das hat mich wirklich sehr beeindruckt!

Angesichts seines Todes wurde in verschiedenen Nachrufen noch einmal auf Videos und Aussagen von ihm verwiesen, in denen Steve Jobs sehr interessante Dinge erzählt hat . Als ein Mensch, der weiß, dass man im Leben niemals aufhört zu lernen, hört man sich gerne an, was erfolgreiche Menschen über das Leben zu sagen haben. Vielleicht hilf es einem im eigenen Leben weiter? Im Falle von Steve Jobs, der vor seiner kurzen Rede in Stanford 2005, mindestens einmal dem Tod ins Auge geblickt hat, denkt man, dass er angesichts des engen Kontaktes mit dem Sensenmann in seine Aussagen auch noch das Wissen um die Vergänglichkeit des Menschen hinein gepackt hat und hört doppelt aufmerksam zu. Niemand weiß aber, ob er zu diesem Zeitpunkt davon ausging die Krankheit besiegt zu haben, oder ob er wußte, dass er nur noch ein paar Jahre zu leben hat?

Ich bin mir aber sicher, dass er in den letzten Monaten wußte, dass es nun zu Ende geht. Viele Menschen mit so einer schweren Krankheit verlieren in dieser Zeit die Fähigkeit noch klar zu denken. Sei es, weil die Krankheit sie schon so weit zerstört hat oder sei es, weil sie mit Schmerzmitteln voll gestopft sind. Bei Steve hatte ich den Eindruck, dass dies nicht der Fall ist. Er hat vermutlich bis kurz vor dem Schluss bei klarem Verstand gewusst, dass ihm alle seine Milliarden nicht helfen können, also Geld nur begrenzt von Bedeutung ist und darum ist alles, was er in den letzten Monaten gesagt hat, für mich von Bedeutung.

Darum bin ich sehr gespannt, was man noch über ihn aus dieser Zeit erfährt und ich bin darum auch sehr neugierig auf die von ihm autorisierte Biographie.

Weitere Artikel und Filme über Steve Jobs:

ARD Beitrag

Steve Jobs‘ 2005 Stanford Commencement Address

Spiegel

Telepolis

Kategorien:Stories
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