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Kindererziehung mit Smartphone, Prepaid und ALDI Talk


Meine Tochter wünschte sich zu Weihnachten ein Handy und darum brachte ihr das Christkind ein Sony K750i, welches bis zu diesem Zeitpunkt bei mir in einem Schrank schlummerte. Allerdings hatte ich nicht genügend darüber nachgedacht, dass sie mit dem Handy vielleicht auch richtig telefonieren wollte. In meiner Naivität hatte ich gehofft, dass ihr die eingebauten Spiele und der MP3-Player genügen würden. Offensichtlich hatte ich meine Tochter unterschätzt, denn schon als ich nach dem Auspacken darauf hinwies, dass man noch eine SIM Karte zum Telefonieren benötigt, konnte ich die Enttäuschung an ihrem Gesichtsausdruck ablesen.

Glücklicherweise gab es noch mehr Geschenke (eher gab es zu viele), so dass sie erst einmal abgelenkt war.

So viele Verträge

Doch einige Tage später kam das Thema wieder auf und zwang mich, mich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nun könnte man ja einfach einen weiteren Handy-Vertrag abschließen. Aber genau das wollte ich nicht mehr. Seit einigen Jahren besitze ich zusammen mit meiner Frau einen Genion-Duo Vertrag bei O2 und seit einiger Zeit beschleicht mich das Gefühl, dass der nicht mehr zeitgemäß und zu teuer ist. Ich würde gerne einen für uns günstigeren Vertrag abschließen. Außerdem verlängert sich der Vertrag immer wieder automatisch um 2 Jahre…

Meine andere Tochter verwendet zurzeit ein altes HTC Orbit2 mit einer SIM Karte von 1&1, die bei einem DSL Vertrag abgefallen war. Diese Karte unterstützt allerdings kein mobiles Internet, so dass unsere Tochter nur die Telefonfunktionen des Orbit2 nutzt.

Es würde also ein dritter Vertrag oder Tarif dazu gekommen. Das wurde mir allmählich zu viel. Womöglich noch ein weiterer Vertrag mit undurchsichtigen Bedingungen, den man dann nur schwer wieder kündigen kann.

Eine schnelle Recherche im Internet ergibt allerlei Angebote, aber diese genauer zu vergleichen, fällt mir schwer. Dazu kommt noch, dass ich in Zukunft von der Verwendung von Smartphones überzeugt bin, meine Frau und ich jeweils ein Motorola Defy verwenden und ich eigentlich die ganze Familie so ausstatten möchte. Die meisten Angebote klammern aber dass – für die sinnvolle Verwendung von Smartphones notwendige – mobile Internet aus und deklarieren es als zusätzliche Option.

Anwendungsszenario

Leider wird auch unser Anwendungsszenario nirgends richtig abgedeckt: Weder telefoniert bei uns jemand ununterbrochen, noch werden hunderte von SMS versendet, es will eigentlich auch niemand den ganzen Tag Youtube-Videos auf dem Smartphone betrachten. Aber es sollte möglich sein, jederzeit eMails zu empfangen und zu versenden und jederzeit einmal etwas in der Wikipedia nachzuschlagen. Und natürlich sollte meine App ‚GPSSend‚ eingesetzt werden können. Bei den Kindern muss es außerdem eine Möglichkeit geben, die verhindert, dass sie bei einem Fehler beim Gebrauch des Smartphones versehentlich Unsummen an Kosten verursachen können.

Bei der Verwendung des mobilen Internets finde ich den Ansatz, eine schnelle Verbindung bis zu einer maximalen Datenmenge zur Verfügung zu stellen und bei Überschreitung auf eine langsamere Datenverbindung umzuschalten, sehr gut.

Gäbe es ein Angebot, dass dieses Szenario für die ganze Familie abdeckt, wäre ich bereit, dafür jeden Monat einen Betrag von ca. 20 Euro abzudrücken.

Da es so einen Vertrag für die Familie aber scheinbar noch nicht gibt, habe ich mich nach anderen Möglichkeiten umgesehen. Mancher Leser wird beim Lesen sicher schon mehrmals ‚Prepaid‘ gerufen haben, an mir ist dieser Begriff allerdings bisher weitgehend unbeachtet vorbei gegangen. Nun beschäftigte ich mich etwas genauer mit dieser Möglichkeit und es wurde klar, dass Prepaid auf jeden Fall eine Lösung für versehentlich verursachte, zu hohe, Kosten ist. Erstaunt war ich auch über die Möglichkeit, einfach beim Einkaufen bei ALDI dass für Prepaid notwendige Guthaben wieder aufladen zu können. Das hatte vor allem noch einen pädagogischen Aspekt, auf den ich später im Text noch einmal zurückkomme.

ALDI Talk

Es sollten einige weitere Tage vergehen, in denen mich der Anblick meiner Tochter immer wieder darauf hinwies, dass da noch ein Wort zu halten war. Und als wir dann wieder bei ALDI einkauften, legte ich einfach einen ALDI Talk Starter Pack für 12,99 Euro aufs Band und beschloss, einmal auszuprobieren, was man damit anfangen konnte. Ich dachte mir, für 12,99 Euro kann man auch einfach einmal einen Versuch machen und wenn es nichts ist, hat man halt maximal diesen Betrag in den Sand gesetzt. Immerhin musste ich an der Kasse keine Unterschrift unter einen undurchsichtigen Vertrag leisten.

Der Starter Pack enthält neben einer SIM Karte eine Reihe verschiedener Zettel, von denen einer einem die Möglichkeit gibt eine Rufnummernübernahme zu veranlassen. Das interessierte mich aber erst einmal nicht. Ein anderer Zettel erklärte, was man tun muss, damit man endlich telefonieren kann: Sich registrieren! Was mich sofort wieder nervte! Aber es geht wohl nicht anders. Also ab ins Internet und die Registrierungsseite aufgerufen. Man muss einige, im Starter Pack enthaltene Nummern und seine Adresse eingeben – das ist alles. Dann dauert es einige Stunden bis die Angaben überprüft wurden und ab dann kann man telefonieren. Bis auf die Notwendigkeit seine Adresse angeben zu müssen, hat mir die Einfachheit des Vorgangs gefallen.

Nach dem man sich registriert hat, kann man zu den schönen Seiten der neuen SIM Karte übergehen. Sie in das Handy meiner Tochter einlegen und ihr zeigen wie alles funktioniert. Dann den ersten Anruf tätigen lassen und sich an dem Funkeln in ihren Augen erfreuen!

Ich hatte befürchtet, dass das  in den 12,99 Euro enthaltene Guthaben von 10,00 Euro innerhalb weniger Tage verbraucht ist, aber Pustekuchen, sie hat auch nach fast zwei Wochen immer noch etwa 8,00 Euro übrig, wie man durch die Eingabe von ‚*100#‘ im Handy jederzeit abrufen kann. Eine interessante Frage ist nun, wie man das Guthaben wieder auflädt? Dies ist, wie ich finde, gut gelöst. Beim nächsten Einkauf bei ALDI kann man einen Guthabenbon kaufen. Die gibt es für 5, 15 oder 30 Euro. Auf dem Bon ist eine Nummer und wenn man diese an ALDI Talk übermittelt, wird das Guthaben unmittelbar aufgeladen. Bis jetzt haben wir das noch nicht gemacht. Die Übermittlung geht sogar direkt über das Handy und zwar mit folgender Kombination: ‚*104*‘, gefolgt von dem 16-stelligen Code, der sich auf dem Guthabenbon befindet sowie einem abschließenden ‚#‘.

Pädagogisch

Und nun noch einige Anmerkungen zum pädagogischen Wert eines solchen Tarifs. Zum einen kann ich mich jetzt wieder entspannt zurücklegen: Ich habe keinen neuen Vertrag abgeschlossen und ich muss keine Angst vor horrenden Handygebühren haben. Vielmehr kann ich den Betrieb des Handys komplett in die Hände meiner Tochter geben. Mit dem Handy besitzt sie erstmals einen Mechanismus, an dessen Einsatz sie vermutlich dauerhaft Interesse hat. Für, für die Verwendung des Handys notwendige Ressource, das Guthaben, muss sie ab jetzt selbst sorgen. Dafür bekommt sie Taschengeld. Sie kann ab jetzt selbst entscheiden, wie viel Geld sie vom Taschengeld abzweigt, um damit ihr Guthaben auffüllen zu können.

Ich denke, dass sie dadurch einiges lernen wird: Zum Beispiel das Dinge, die Spaß machen, wie das Telefonieren oder  SMS schreiben, Geld kosten können. Sie wird auch ein Gefühl dafür entwickeln, wie VIEL Geld das kostet und schon dadurch lernen, endlose Gespräche zu vermeiden. Oder dass man sich um bestimmte Ressourcen rechtzeitig kümmern muss, wenn man in bestimmten Situationen nicht ohne da stehen will, bzw. dass man immer eine Reserve hat. Oder dass man sich etwas einteilt, damit man einen längeren Zeitraum etwas davon hat. Vielleicht will sie mehr telefonieren, als das Taschengeld her gibt? Dann kann sie sich zusätzlich Geld verdienen. Sei es durch Tätigkeiten im Haushalt oder in dem sie Zeitungen austrägt.

Es gibt auch weitere Optionen, über deren Einsatz sie irgendwann nachdenken kann. So gibt es für 7,99 Euro eine schnelle Flatrate für das mobile Internet oder für 3,99 Euro eine Community Flatrate, die es erlaubt 30 Tage lang kostenlos zu telefonieren oder SMS zu schreiben, wenn das Gegenüber den gleichen Tarif hat!

Mobiles Internet

Was hier ausgeklammert wurde, ist die Verwendung des mobilen Internets. Bei meiner jüngeren Tochter mit ihrem K750i  ist das ein noch nicht so großes Problem, da das Handy kaum Möglichkeiten besitzt, mobiles Internet sinnvoll einzusetzen. Und die paar, die verbleiben kann man sperren. Siehe dazu den guten Artikel von Computerbild.

Bei der Verwendung eines Smartphones sieht das schon wieder anders aus. Hier verlocken die auf dem Smartphone zur Verfügung stehenden Facebook-, Twitter- und Youtube-Clients zur intensiven Nutzung des mobilen Internets. Und speziell das Betrachten von Youtube-Filmchen kann schnell etliche Mbytes an Traffic verursachen. Das ist grundsätzlich nichts Schlimmes, da es auf Youtube eine Fülle von interessantem und lehrreichem Material gibt – natürlich auch ebenso viel Mist. Aber wie man seinen Kindern beibringt, mit Internet und Co. umzugehen, ist eher ein Thema für einen anderen Artikel.

Ich würde den Kindern klar sagen, dass unterwegs keine Anwendungen verwendet werden dürfen, die mit hohem Traffic einhergehen, wie zum Beispiel Youtube. Wenn es dann doch einmal gemacht wird, wirkt hoffentlich der Prepaid Airbag. Da ein Smartphone aber so konfiguriert werden kann, dass es zu Hause automatisch WLAN verwendet, spricht durchaus nichts dagegen, dass Facebook- und Youtube-Clients auf dem Smartphone bleiben dürfen.

Zweittarif für Papa

Als Software-Entwickler, insbesondere wenn man auch für Android entwickelt – und als Nerd sowieso – hat man natürlich nicht nur ein Smartphone. Und so habe ich schon länger das Problem, Funktionen die auf einer eingelegten SIM Karte basieren, wie zum Beispiel das Tracking bei GPSSend, auf verschiedenen Smartphones auszuprobieren.

Um das Problem noch zu verstärken, brachte mir das Christkind zu Weihnachten ein weiteres neues Smartphone und dies möchte ich jetzt gerne zusätzlich mit meinem Defy verwenden, da das neue Smartphone zwar unglaublich toll ist, ich aber für das Defy eine Halterung fürs Fahrrad besitze und das Defy mit Sicherheit wesentlich stabiler, als das neue, ist. Andererseits möchte ich das neue Smartphone gerne in allen Aspekten ausprobieren, ohne dazu jedes Mal die SIM Karte zwischen dem Defy und dem Neuen wechseln zu müssen. Nach den positiven Erfahrungen mit dem ALDI Talk Tarif kaufte ich kurz entschlossen einen zweiten Starter Pack samt 30 Euro Guthaben und registrierte mich ein weiteres Mal mit den gleichen Adressdaten. Das funktionierte wieder völlig problemlos und dieses Mal konnte ich unmittelbar nach der Registrierung auch schon telefonieren!

Ich erwog den Einsatz der Internate Flatrate für 7,99 Euro, entschied mich dann aber erst einmal dagegen. Solange ich noch den teuren O2 Tarif habe, würde mir das auf Dauer zu teuer werden.

Was mich sehr interessierte, war die Frage, was der Einsatz meiner App GPSSend an Kosten verursachen würde? Darum aktivierte ich GPSSend auf dem neuen Smartphone und fuhr damit morgens zu meinem Arbeitsplatz. GPSSend war so eingestellt, dass es alle 15 Sekunden eine Position versendet. Die Kosten für diese, knapp einstündige, Fahrt lagen bei ca. 30 Cent! Das war nicht so viel wie ich angenommen hatte. Andererseits: Würde man sich jeden Tag, auf der Fahrt zur Arbeit und wieder nach Hause tracken lassen, wäre man schon bei 2* 0,30 Euro * 30 Tage = 18 Euro und damit deutlich über den Kosten für die Flatrate! Aber wer macht das schon?

Ich könnte mir vorstellen, dass ich mit dem reinen ALDI Talk Basistarif schon recht weit komme. Ab und zu mal tracken lassen, gelegentlich eMails abrufen, vielleicht auch einmal ein eBook bei Amazon kaufen oder eine Seite im Internet nachschlagen, das sollte alles ohne allzu große Kosten funktionieren. Ich werde jetzt mal sehen, wie lange mein Guthaben reicht. Ich sehe aber jetzt schon, dass mir die Möglichkeiten, die mir der Einsatz von ALDI Talk gibt, gefallen und erwäge, den O2 Vertrag zu kündigen.

Für auf Android basierende Smartphones gibt es eine App, mit der man die 16-stellige Nummer der Guthabenbons direkt übermitteln, das verfügbare Guthaben abfragen und weitere Tarife bzw. Flatrates buchen kann. Es ist damit auch möglich eine Flatrate zu kündigen.

Sollen Kinder überhaupt schon ein Handy oder Smartphone einsetzen dürfen?

Viele Eltern werden sich fragen ob das überhaupt sein muss? Ein Smartphone für die eigenen Kinder? Wo man vielleicht noch nicht einmal selbst eines besitzt. Andererseits gab es bestimmt schon Situationen, in denen man ein wesentlich besseres Gefühl gehabt hätte, wenn das eigene Kind ein Handy bei sich gehabt hätte. Soziale Integration? Erreichbarkeit?

Kategorien:Nerd Alltag
  1. AlexD
    Januar 24, 2012 um 9:06 am

    Hallo Tinkerpete,
    schöner Artikel. Für Dein neues Smartphone solltest Du aber alternativ mal über eine Multicard von O2 nachdenken. Du hast zwar keine neue Nummer und kannst auch nicht von einem auf das andere Telefon anrufen. Dafür entscheidest Du aber, wo eingehende Anrufe eingehen und hast auf allen Geräten vollen Zugriff auf Datendienste.
    Und dabei keine Zusatzkosten. Mit einer dritten Karte kannst Du dann auch noch ein pad betreiben – falls das schon im Bestand ist oder unter den nächsten Weihnachtbaum kommt …

    LG

    AlexD

  2. Mai 26, 2012 um 5:53 pm

    Hallo AlexD! Gute Idee! Das wusste ich noch nicht. Und ja, Tab ist schon lange vorhanden…🙂

    LG

    Tinkerpete

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