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Neulich im Wald

April 9, 2012 4 Kommentare

Eine Geschichte

Vorab: Wir sind eine kleine Gruppe Biker (Joe, Birdy, Batman und meine Wenigkeit) und eine Bikerin (Lena), die regelmäßig zusammen im Odenwald Mountainbike fahren:

  • Joe, vernichtet stoisch Kilometer und Höhenmeter, als wäre es nichts.
  • Birdy, auf steilen Downhills befindet er sich mehr in der Luft, als auf dem Boden.
  • Batman, scheucht mit seiner Lupine nachts Hasen, Rehe und Füchse aus dem Unterholz.
  • Lena, fährt Marathon Rennen und ist auch sonst ein ziemlich heißer Feger.
  • Äh ja, na ja, ich fahre halt auch mit.

Manchmal fahren wir aber auch alleine los. Wenn wir uns dann wieder treffen, erzählen wir uns von unseren Touren und stellen dabei gelegentlich fest, dass wir zur gleichen Zeit unterwegs waren und nur wenige Kilometer – manchmal sogar nur wenige 100 Meter – voneinander entfernt, aneinander vorbei gefahren sind. Was eigentlich schade ist.

Seit einiger Zeit verwenden wir als Fahrradcomputer keine Tachos oder Garmin Edges mehr, sondern haben komplett auf Smartphones umgestellt. Zwar halten die akkutechnisch gesehen nicht solange wie ein typischer Tacho oder die Garmin Edges durch, denn letztere können meist einen ganzen Tag problemlos mit einer Akkuladung betrieben werden, aber für die paar Stunden, die wir meist unterwegs sind, reicht es fast immer. Dafür haben wir nur noch ein Gerät, welches alle wichtigen Funktionen integriert hat! Wir verwenden alle Motorola Defys, da die wasser- und schmutzunempfindlich sind. Für das Defy gibt es auch brauchbare Halterungen für den Lenkkopf bzw. den Lenker. Natürlich kann man auch andere Smartphones verwenden.

Für Android Smartphones gibt es interessante Apps für Biker wie zum Beispiel Locus oder OruxMaps. Wir haben uns aber alle für die App ‚MoveTracker‘ entschieden, da diese neben den üblichen Funktionen wie Aufzeichnung der gefahrenen Strecke, Pulsanzeige und einiges mehr, noch eine weitere, außergewöhnliche Funktion bietet: Livetracking, mit der Möglichkeit, zusätzlich alle Freunde auf einer kleinen Karte zu sehen und einigen Specials, die darauf basieren!

Damit das auch funktioniert, muss man sich auf der Webseite des Entwicklers registrieren und seine Freunde definieren. Das ist ein wenig fummelig, muss aber nur einmal gemacht werden. Danach benötigt man die Webseite nicht mehr zwingend.

Mittlerweile hat der Einsatz von GPSSend schon mehrmals dazu geführt, dass wir beim Biken plötzlich akustisch darauf aufmerksam gemacht wurden, dass soeben einer der Kumpel bzw. Lena, losgefahren ist. Gleichzeitig mit dem Signal wird auf der GPSSend Karte die Position und die Richtung des Losfahrenden gezeigt. Wenn das passiert, wird kurz gecheckt, ob die Position in der Nähe ist, was das nächste Ziel des Kumpels/Lena sein könnte und ob man eine Chance hat, rechtzeitig dorthin zu kommen. Wer will nicht die Möglichkeit nutzen, gemeinsam mit Lena durch den Wald zu brettern? Obwohl das manchmal auch ziemlich stressig sein kann. 😉

Wenn die Chancen gut stehen, versuchen wir den anderen im Wald zu treffen.

Dabei kommt es darauf an, ob der andere auch die Kartenseite geöffnet hat oder halt nicht. Denn nur bei geöffneter Karte und aktivierter ‚Bewegungsdetektion‘ wird man benachrichtigt! Wenn man gegenseitig weiß, dass der andere gerade unterwegs ist, findet bzw. trifft man sich ziemlich schnell, da ja dann beide versuchen zusammen zu kommen. Andernfalls, also wenn man nur selbst weiß, dass der andere unterwegs ist, der andere aber nicht, entwickelt sich ein einsames Rennen zum vorausberechneten, virtuellen Treffpunkt.

Aber selbst wenn man nicht rechtzeitig da ist und der andere schon wieder weiter gefahren ist, so sieht man das ja auf der Karte und kann versuchen ihm/ihr nachzufahren, was bei mehrfacher Wiederholung äußerst harter Training sein kann.

Das hört sich vielleicht alles ein bisschen irre an, aber verblüffender Weise macht es tierisch Spaß! Und zwar vor allem dann, wenn der andere Livetracking aktiviert, aber vergessen hat, die Kartenseite aufzurufen!

Leider nutzen wir in der letzten Zeit alle die Kartenseite und finden uns darum ziemlich leicht und schnell, vorausgesetzt, wir sind überhaupt im gleichen Gebiet unterwegs. Darum haben wir überlegt, wie wir den Spaß, den wir beim ‚Abfangen‘ hatten, wieder herauf beschwören könnten. Die Lösung heißt ‚Fuchsjagd‘!

Wir definieren einfach jemanden als Fuchs/Füchsin, den wir anderen dann versuchen zu ‚fangen‘. Dazu bekommt er etwa 5 Minuten Vorsprung, danach fahren die anderen los und versuchen ihn/sie von zwei Seiten her anzufahren. Sobald der Fuchs auf einem Weg oder einem Trail sowohl von vorne als auch von hinten angefahren oder von einem einzelnen Fahrer eingeholt wird, gilt er als ‚gefangen‘. Gibt es noch einen Abzweig, dann kann er noch einmal versuchen zu flüchten, aber es ist verboten, einfach ins Unterholz abzuhauen. Der Fuchs hat dann gewonnen, wenn er nach einer definierten Zeit noch nicht gefangen ist. Damit das funktioniert, darf der Fuchs einen bestimmten Bereich nicht verlassen. Tut er es, hat er verloren.

Am Wochenende war es wieder einmal so weit. Wir haben uns alle getroffen um zusammen ‚Fuchsjagd‘ zu spielen. Da Lena aufgrund ihrer ständigen Rennen ziemlich fit ist, haben wir sie als Fuchs ausgewählt, außerdem gibt es da gewisse Parallelen zur Realität… 😉

Getroffen haben wir uns am Schwimmbad in Fränkisch-Crumbach. Wir sehen auf unsere Uhren, bzw. die Smartphone-Uhr: es ist 18:10 Uhr. Lena saust los, zeigt uns kurz ihre schöne Kehrseite und ist nach weniger als 1 Minute außer Sichtweite. Wir anderen warten bis Punkt 18:15 Uhr.

Los geht’s! Auf dem Display kann man alle paar Sekunden die letzte aktuelle Position von Lena auf der Karte sehen. Sie nimmt erst einmal den ‚normalen’ Weg hoch zur Nonroder Höhe. Will sie da auch wirklich hin? Es macht durchaus Sinn erst einmal Höhe zu gewinnen, denn dann kann man im Notfall schnell einen Haken schlagen und sich zur raschen Flucht, auch ohne Energiereserven, schnell einen Trail hinab stürzen – falls einer in der Nähe ist.

Wir fahren ihr erst einmal alle nach – vielleicht können wir ja schon einmal den Abstand verkürzen. Aber da haben wir die Rechnung ohne Lena gemacht – sie kann den Abstand noch vergrößern. Kurz vor dem Waldrand gäbe es die Möglichkeit einen etwas kürzeren, aber dafür steileren Weg zur Nonroder Höhe hoch zu fahren – aber ob das klappt? Und wenn sie oben nach rechts, in Richtung Bierbach fährt? Trotzdem, wir können es uns ja leisten, sind ja immer noch zu viert zusammen. Joe und Birdy nehmen den steilen Anstieg und Batman und ich fahren ihr weiter nach.

Wenig später können wir auf dem Display sehen, dass Lena nach links abgebogen ist und darum Joe und Birdy ihre Chance bekommen. Man kann auch sehen, dass die Positionen von Joe und Birdy der Position von Lena immer näher kommen. Natürlich sieht Lena das auch auf ihrem Smartphone…

Vermutlich wird sie alles geben, um zuerst an der möglichen Schnittstelle der gedachten Routen vorbei zu kommen. Wenig später ist klar: Joe und Birdy haben es nicht geschafft, Lena war schneller und ist jetzt auf dem Weg zum ‚Rimdidim’, links am Gasanschluss vorbei. Wir bleiben erst einmal alle hinter ihr. Jetzt natürlich in zwei Gruppen, erst Joe und Birdy und ein Stück dahinter Batman und ich als Schlusslicht.

Am Rimdidim gibt es einen netten kleinen Trail, wenn sie den fährt, könnte man sie möglicherweise unten abfangen. Mal sehen was Joe und Birdy machen? Ok, die fahren ihr weiter direkt nach. An der nächsten Weggabelung nehmen wir einen Weg, der unterhalb des kleinen Trails vorbei führt. Als wir endlich da sind, ist Lena natürlich schon wieder weiter und fährt hinab in Richtung Steinau. Da kommen auch schon Joe und Birdy den Trail hinunter. Von hier aus gibt es viele Wege und wir beschließen, uns alle aufzuteilen. Batman fährt direkt hinter Lena her und wir anderen nehmen Wege, die zu Wegen führen, an denen Lena eventuell vorbei kommt, wenn sie weiter Richtung Kaiserturm fährt, den höchsten Punkt hier in der Gegend. Was sie vermutlich machen wird, da, wenn sie sich weiter nach rechts orientiert, der Bundesstraße L3102 immer näher kommt und diese gilt als eine der Begrenzungen des ‚Spielbereichs‘.

Auf dem Display sehe ich jetzt das Birdy Lena, der ihr direkt nach fährt, sehr nahe kommt. Das ist typisch Birdy: Es geht einen steilen Trail hinab und er gibt vermutlich alles. Technisch ist Birdy etwas besser als Lena und das wird der Grund sein, warum er ihr so nahe kommt. Aber er kann sie nicht einholen. Lena ist zuerst am Zindenauer Schlösschen von Steinau und ab da geht es steil den Berg hoch. Ich kann mir vorstellen, wie Lena jetzt mit ihren schönen, braun gebrannten und durchtrainierten Beinen, uneinholbar den Berg hoch zischt.

Jetzt bleibt noch Joe, der einen Weg weiter oben gewählt hat und jetzt die Chance hat Lena abzufangen…

Aber vermutlich hat auch Lena dies erkannt und entschließt sich, nicht direkt nach Steinau hoch zu fahren, denn plötzlich ist ihr Symbol auf der Karte auf einem Abzweig nach rechts zu sehen.

Durch das Ausweichen sind zumindest Joe und ich jetzt höhentechnisch gesehen oberhalb von Lena. Dies hat den Vorteil, dass wir, egal was Lena macht, das Gefälle nutzen können, um näher an sie heran zu kommen.

Trotzdem sollte einer hinter ihr her fahren, so dass sie nicht einfach umkehren kann, falls es einer von uns schafft, sie von vorne auf einem Weg anzugreifen.

Batman hat scheinbar vor direkt zur Bundestraße L3399 zu fahren und von dort nach Neunkirchen. Birdy bleibt hinter Lena und fährt ihr einfach nach. Joe und ich fahren die Bergstrecke weiter direkt nach Neunkirchen. In Neunkirchen könnten wir vielleicht Lena erwischen, andererseits kann sie aber auch uns dort in irgendeiner Seitengasse entwischen. Auf dem Display sehe ich, das Lena tatsächlich den Weg direkt nach Neunkirchen eingeschlagen hat. Lena ist nicht dumm! Sie weiß, dass sie nur eine Chance hat, wenn sie schneller als alle anderen dort eintrifft. Denn dann sind wir wieder alle an einem zentralen Punkt und sie kann – wenn sie es schafft – die Flucht in eine beliebige Richtung ergreifen. Und Lena schafft es! Sie ist einfach eine ganz heiße Nummer!

Letztlich sind solche Manöver natürlich nur möglich, weil GPSSend die Positionen auf der Karte nie wirklich in absoluter Echtzeit anzeigt. Immer werden die Positionen mit etwas Verzögerung übertragen, sei es durch das eingestellte 15 Sekunden Intervall oder sei es durch ein Funkloch. Aber letztlich macht das den Reiz des Ganzen aus!

Irgendwie hat Lena es geschafft Batman abzupassen und gerade als er auf der Bundesstraße an dem ersten Abzweig nach Neunkirchen vorbei kommt, startet Lena am anderen Ende des Abzweigs die Flucht hin zur L3399. Batman bekommt es aus den Augenwinkeln heraus gerade noch mit und wendet wieder, aber Lena ist halt Lena: Sie ist vor ihm auf der L3399, Batman kommt bis auf 10 Meter an Lena heran, sie beschleunigt wie wild und stürzt sich nach ca. 250 Meter einen schmalen Trail links in den Wald hinein. Batman ist noch zusätzlich durch ein gerade entgegenkommendes Auto gehandikapt, so dass Lena weitere Meter gewinnt.

Jetzt sind wir natürlich alle wieder an einem Punkt hinter Lena und müssen neu überlegen, wie wir unser Abfangnetz aufspannen. Batman bleibt hinter ihr. Joe fährt ein Stück weiter auf der L3399 um dann den nächsten Abzweig auf den Weinweg in den Wald hinein zu nehmen. Birdy und ich fahren zurück nach Neunkirchen, von dort ein Stück die Bergstrecke von eben wieder hinunter um den nächsten Abzweig Richtung Germanshöhe zu nehmen.

Kurz darauf sehen wir Lena auf dem Display schon an der Stelle vorbei kommen, an der wir die Chance gehabt hätten, sie abzufangen. Sie hat einen Weg Richtung Germanshöhe eingeschlagen und kommt dann noch vor Joe auf den Weinweg. Von dort scheint sie einen Weg direkt über die Wiese in Richtung Wildweibchenstein gewählt zu haben. Joe ist ihr dicht auf den Fersen. Birdy fährt weiter auf dem Weinweg und ich fahre Joe nach. Batman hat sich scheinbar entschlossen in Richtung Laudenau zu fahren – dort gibt es noch einen kleinen Trail zum Wasserhäuschen hinunter – um von der Gaststätte ‚Zur Freiheit‘ aus in Richtung Wildweibchenstein zu fahren.

Auf dem Display kann man sehen, dass sich das Netz langsam wieder um Lena schließt, denn sie fährt vom Wildweibchenstein aus nach oben und von da kommt schon Birdy! Was hat sie vor? Sie muss doch Birdy sehen? Aber kurz bevor sie zusammen treffen, fährt sie rechts ab in den Wald hinein. Da weiß ich Bescheid. Sie will den Rodenstein-Trail fahren!

Langsam geht mir die Puste aus. Ich denke, das ist jetzt Birdys Ding und fahre einfach Lena nach. So werde ich sie zwar nicht mehr einholen, aber die Zeit ist langsam abgelaufen und ich will als Fahr-Highlight des Tages auch einmal den Rodenstein-Trail hinunter. Auf dem Display kann ich erkennen, wie Lena auf dem Weg zum Trail geringfügig Abstand gewinnt, aber wird es für Birdy reichen? Der fährt ja nicht hinab, der fliegt ja hinunter! Der Rodenstein-Trail ist nicht völlig ungefährlich – hoffentlich brechen sich die zwei nicht die Knochen.

Ein paar Minuten später sehe ich die Positionen von Birdy und Lena unten an der Burg Rodenstein. Sie bewegen sich nicht mehr. Als ich dann endlich bei ihnen ankomme, sitzen sie friedlich nebeneinander auf der Burgmauer. Lena erzählt, dass Birdy sie hätte überholen können, aber auf dem schmalen Trail nicht an ihr vorbei kam. Da die Zeit fast abgelaufen war, haben sie sich dann auf ein Unentschieden geeinigt. Schließlich treffen auch noch Joe und Batman ein. Es folgt die übliche Manöverkritik, die aber bald abflaut. Die wilde Fahrt steckt uns in den Knochen, der Körper entspannt sich allmählich und wir genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages. Wenn wir uns gegenseitig ansehen, die Blicke auf die verschwitzten, teilweise etwas von Ästen verschrammten, Beine fallen, wissen wir ohne Worte, dass wir vielleicht alle einen an der Waffel haben, aber dass uns das eben alle betrifft und ohne Worte klar ist, dass wir eben darum eine verschworene kleine Gemeinschaft sind.

Manch einer sehnt sich nach exotischen Ländern und ebensolchen Sportarten, aber hier gibt es kein Meer zum Surfen und auch das Skifahren fällt hier schwer (obwohl es bei Neunkirchen einen Skilift gibt, der aber nur alle paar Jahre einmal in Gang gesetzt wird). Wir haben das Beste daraus gemacht und sind glücklich beim Sausen über schwierige Trails an lauen Sommerabenden.

Nur wen wählt Lena?

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Kategorien:GPSSend, Nerd Alltag, Stories

Steve Jobs


Als Apple den Apple II verkauft hat, war dies eines der Geräte, welches ich sehr gerne besessen hätte, aber mir damals bei weitem zu teuer war. Darum habe ich leider nie einen besessen und bin in Sachen Computer in eine andere Richtung gegangen. Schon damals habe ich mich aber für die Menschen hinter dem Gerät interessiert und – nachdem ich mich ein wenig informiert habe – Steve Wozniak bewundert! Ich verstehe ein wenig von Elektronik und weiß auch wie Computer grundsätzlich aufgebaut sind. Darum weiß ich, welche Leistung es ist, einen ganzen Computer selbst zu bauen!

Darum war es für mich anfangs unverständlich, wenn in den Berichten zu Apple oft Steve Jobs im Vordergrund zu sehen war. Ich fand damals, dass sich Steve Jobs zu Unrecht so in den Vordergrund drängt. Als ich davon las, wie viel Geld die Beiden damit verdienten, empfand ich es als ungerecht, dass Steve Jobs genauso viel davon bekam wie Steve Wozniak – schließlich hatte er doch das Gerät entwickelt. Er hätte einen viel größeren Anteil bekommen müssen!

Aber ich war naiv. Ich verstand nichts von Marketing, Management oder Design, ich verstand nur etwas von Elektronik und Programmierung.

Eine Zeit lang hatte ich mich nicht mehr besonders für Apple interessiert. Mein nächster Kontakt mit Apple war vermutlich auf der CeBIT 1983 in Hannover. Als Lehrling der Firma Teletron waren wir mit einer kleinen Gruppe vom Dorf ins große Hannover auf die CeBIT gefahren. Ich war damals der Einzige, der etwas von Programmierung verstand und interessierte mich sehr für programmierbare Taschenrechner. Mit einem Messekatalog hatte ich mich gründlich vorbereitet und genau ermittelt, wo meine Lieblingsfirmen Texas Instruments und Hewlett-Packard ihren Stand hatten.

Irgendwann an diesem Tag bin ich dann an einem Stand vorbei gekommen, an dem etwas äußerst Merkwürdiges zu sehen war: Ein Computer mit Bildschirm und Tastatur und – das war das Besondere – einem kleinen Kästchen mit einem Kabel dran, dass man auf einem Tisch verschieben konnte! Flugs setzte ich mich davor (Ja, unglaublich, niemand anders traute sich dass scheinbar) und fing an das Kästchen zu bewegen. Schnell begriff ich, dass damit ein kleiner Pfeil (ich kann mich an das Symbol nicht mehr wirklich erinnern) auf dem Bildschirm bewegt werden konnte. Allein das faszinierte mich schon, denn so etwas konnte zu diesem Zeitpunkt kein einziger mir bekannter Computer. Es dauert nur wenige Minuten, bis ich die ersten Menüs angeklickt hatte, ein Bild gemalt und ein paar Funktionen ausprobiert hatte. Als ich aufhörte und mich umdrehte, standen hinter mir zahllose Leute in Anzügen und schauten mir interessiert zu.

Was ich in diesem kurzen Moment erlebt hatte, war vermutlich vergleichbar mit dem, was Steve Jobs bei Xerox erlebte, als er das erste Mal einen Computer mit Maussteuerung gesehen hatte. Im Gegensatz zu mir hatte Steve Jobs allerdings die Mittel und die Vision, daraus etwas Weltbewegendes zu machen. Das Gefühl, auf diese Weise einen Computer zu gebrauchen (niemals bedienen, oder wollen wir die Bediener unserer Computer sein?), war unglaublich faszinierend für alle, die bisher einen Computer über mehr oder weniger kryptische Befehlsfolgen steuerten. Die Erfahrung, wie viel einfacher ein Computer auf diese Weise zu gebrauchen ist, hat Steve Jobs vermutlich für sein Leben geprägt. Vermutlich traf ihn diese Erkenntnis wie ein Blitz und hinterließ in seinem Verstand auch Folgen, wie ein Blitz sie anrichten kann, nur halt in positivem Sinn.

Und wer genau hin sieht, der kann erkennen, dass möglicherweise Steve Jobs Erfolg bis zuletzt von dieser Erkenntnis profitiert hat! Denn ist es nicht der einfache Gebrauch von iPod, iPhone und iTab, welches den fast unglaublichen Erfolg dieser Geräte ermöglicht hat?

Der Computer auf der CeBIT war Apples Lisa gewesen, der erst in der Reinkarnation als Macintosh zu dem Ruhm kam, der ihm eigentlich gebührte.

Es bleibt aber festzuhalten, dass die Grundidee nicht von Steve Jobs kam, sondern er diese Möglichkeit am Palo Alto Research Center von Xerox gezeigt bekam. Allerdings traf diese Demonstration bei ihm auf ein perfekt vorbereitetes Beet, indem innerhalb kürzester Zeit die wunderschöne Blume Lisa zu voller Blüte wuchs. Leider war sie etwas zu teuer.

Wieder verging eine Zeit, in der ich mich nicht weiter mit Apple beschäftigte. Ich bekam am Rande mit wie Steve  Jobs bei Apple hinaus geworfen wurde, wie er NeXT gründete (wie sollte das funktionieren – ohne Wozniak?) und einige Zeit später, wie er wieder eingestellt wurde. Auch das interessierte mich anfangs nicht sonderlich. Längst war ich in Computerdingen einen anderen Weg gegangen und außerdem definierte ich mich nicht über eine Marke, sondern über das, was ich mit dem Computer als Werkzeug erschuf. Allenfalls hatten es mir die kleinen Palmtop Computer 95LX und 200LX von Hewlett-Packard angetan.

Mit dem iMac war Apple wieder in die Gewinnzone zurück gekehrt. Nicht schlecht Herr Jobs! Als Apple dann aber iPod und iTunes ins Leben rief, dachte ich, dass Steve Jobs nun in eine andere Welt abgedriftet sei. Wenig später nahm ich aber mit Erstaunen zur Kenntnis, dass diese Dinge extrem erfolgreich wurden. Dies war vermutlich der Anfang meines wieder erstarkenden Interesses an seiner Person. Als Apple mit dem iPhone den von Nokia dominierenden Markt der Handys und gleichzeitig den von Microsoft beherrschten Markt der Smartphones angriff, haben wahrscheinlich viele gedacht: Jetzt übernimmt sich Apple aber! Aber man war auch durch den Erfolg von iPod und iTunes vorsichtig geworden und wusste, dass man Apple nicht unterschätzen darf.

Was soll man dazu noch schreiben? Wir alle wissen jetzt, dass Apple mit dem iPhone einen Nerv getroffen haben muss, denn wer redet heute noch von Nokia? Was war eigentlich Microsoft Windows Mobile? Apple hat den Handy- und Smartphone Markt im Sturm erobert und seine Gegner das Fürchten gelernt. Gut, mittlerweile gibt es mit Android einen neuen Gegner, aber auch der musste sich, was seine Usability betrifft, völlig am iPhone orientieren. Ein Smartphone, welches heute auf dem Markt bestehen will, muss, gesteuert durch ein paar Streicheleinheiten, blitzschnell den Wunsch seines Besitzers erfüllen, sonst hat es nicht die geringste Chance geliebt zu werden.

Man kann in seinem Leben alles richtig machen und sogar den richtigen Zeitpunkt erwischen, aber wenn man nicht auch ein Quentchen Glück hat, wird man es trotzdem nie schaffen. Was muss dass dann für ein Mann sein, der es in seinem Leben mindestens 4 Mal geschafft hat: Apple II, Pixar, iPod/iTunes und iPhone, Steve Jobs hat es immer wieder richtig gemacht! Und warum hat er immer Glück gehabt? Oder geht es doch ohne?

Diese Fähigkeit, einen so unglaublichen Erfolg wie den Apple II mehrmals zu wiederholen, das hat mich wirklich sehr beeindruckt!

Angesichts seines Todes wurde in verschiedenen Nachrufen noch einmal auf Videos und Aussagen von ihm verwiesen, in denen Steve Jobs sehr interessante Dinge erzählt hat . Als ein Mensch, der weiß, dass man im Leben niemals aufhört zu lernen, hört man sich gerne an, was erfolgreiche Menschen über das Leben zu sagen haben. Vielleicht hilf es einem im eigenen Leben weiter? Im Falle von Steve Jobs, der vor seiner kurzen Rede in Stanford 2005, mindestens einmal dem Tod ins Auge geblickt hat, denkt man, dass er angesichts des engen Kontaktes mit dem Sensenmann in seine Aussagen auch noch das Wissen um die Vergänglichkeit des Menschen hinein gepackt hat und hört doppelt aufmerksam zu. Niemand weiß aber, ob er zu diesem Zeitpunkt davon ausging die Krankheit besiegt zu haben, oder ob er wußte, dass er nur noch ein paar Jahre zu leben hat?

Ich bin mir aber sicher, dass er in den letzten Monaten wußte, dass es nun zu Ende geht. Viele Menschen mit so einer schweren Krankheit verlieren in dieser Zeit die Fähigkeit noch klar zu denken. Sei es, weil die Krankheit sie schon so weit zerstört hat oder sei es, weil sie mit Schmerzmitteln voll gestopft sind. Bei Steve hatte ich den Eindruck, dass dies nicht der Fall ist. Er hat vermutlich bis kurz vor dem Schluss bei klarem Verstand gewusst, dass ihm alle seine Milliarden nicht helfen können, also Geld nur begrenzt von Bedeutung ist und darum ist alles, was er in den letzten Monaten gesagt hat, für mich von Bedeutung.

Darum bin ich sehr gespannt, was man noch über ihn aus dieser Zeit erfährt und ich bin darum auch sehr neugierig auf die von ihm autorisierte Biographie.

Weitere Artikel und Filme über Steve Jobs:

ARD Beitrag

Steve Jobs‘ 2005 Stanford Commencement Address

Spiegel

Telepolis

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